Oper entdecken: Felix Mendelssohn Bartholdy
Ein Film von Myriam Hoyer
Eine Reportage über Fund und Uraufführung von Felix Mendelssohn Bartholdys bis 2006 ungedrucktem Singspiel.
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) war ein Universalkünstler und Wunderkind: Pianist, Geiger, Bratscher, Dirigent, Lehrer, Übersetzer und Dichter. Da verwundert es nicht, dass er sein erstes Singspiel "Soldatenliebschaft" (1820/21) komponierte, als er gerade einmal zwölf Jahre alt war. 150 Seiten Partitur, eine Ouvertüre und 14 Musiknummern. "Oper entdecken" stellt das Werk, dessen vollständige Partitur erst im Jahr 2006 veröffentlich wurde, anhand einer aktuellen Inszenierung aus dem thüringischen Altenburg vor. Als wäre das Werk des zwölfjährigen Komponisten soeben aus der Spielzeugkiste gefallen, werden in der naiv-charmanten Inszenierung alle Figuren von Puppen verkörpert.
Das 1820 in Berlin entstandene Singspiel "Soldatenliebschaft" ist wahrscheinlich die letzte große Entdeckung im Gesamtwerk des weltberühmten Komponisten. Am 3. Februar 1821, dem zwölften Geburtstag von Felix Mendelssohn Bartholdy, fand die erste und für lange Zeit einzige Aufführung mit Orchester statt. Musik und Figuren sind noch ganz dem Vorbild Mozarts verhaftet, Mendelssohns eigener Stil steckt hier buchstäblich noch in den Kinderschuhen.
Der Film stellt das Jugendwerk, dessen vollständige Partitur erstmals 2006 veröffentlicht wurde, in einer von Theater & Philharmonie Thüringen herausgebrachten Produktion vor. Die Handlung spielt im Spanien des 19. Jahrhunderts, das gerade von Napoleons Truppen besiegt wurde. Unerwünschte, weil politisch inkorrekte Liebschaften schüren die Konflikte.
Die Inszenierung aus Altenburg kombiniert mit einem genialen Kunstgriff Oper und Puppenspiel: Sänger und Marionetten, sowie die ebenfalls sichtbaren Puppenspieler und Orchestermusiker erwecken mit viel Fantasie - und ohne einem hier unangebrachten Perfektionismus zu verfallen - das Singspiel des frühreifen Komponisten zum Leben.
Die Regisseurin Myriam Hoyer präsentiert neben Inszenierungsausschnitten eine spannende Entdeckung im Weimarer Goethe-Archiv und gewann für die Interviews unter anderem die Musikwissenschaftlerin und Herausgeberin Salome Reiser und den preisgekrönten Biografen und Mendelssohn-Forscher R. Larry Todd.
Montag, dem 22.03. 2010 um 22.35 Uhr auf ARTE zu sehen.
Im Vorfeld wird im Rahmen des Internationalen Fernsehforums Musik in Bremen am Donnerstag, dem 11.3.2010, im Atlantis Filmtheater in Bremen die Kinopremiere des Films zu sehen sein.