Ein Film von Claus Wischmann
Dokumentarfilm | 2010
Albert Matubenza ist Musiker. Er hat vielen Streichern im Orchester die Noten und ihr Instrument erklart. Dabei ist er selbst Gitarrist und kann we der Geige noch Cello spielen. Gerade baut er an einem neuen Kontra bass fur das Ensemble. Andere Handwerker unter den Orchester mitglie dern haben inzwischen eine ganze Kollektion von oft selbsterfundenen und -gebauten Werkzeugen, um jede erdenkliche Reparatur eines Instru ments durchzufuhren. Nebenbei schneidern die Musikerinnen und Musiker ihre Anzuge und Kleider fur die Auftritte selbst, organisieren die Beschaf fung von Noten und sorgen wahrend der langen Probenabende fur die Ver pfle gung und die Beaufsichtigung der Kinder. Die meisten Orchestermitglieder sind Autodidakten und Amateure. Selbst fur diejenigen, die das Gluck haben, uber eine Berufsausbildung und eine halbwegs geregelte Arbeit zu ver fugen, ist der Alltag in der Acht-Millionen-Metropole Kinshasa ein Kampf ums Uberleben.
Fur viele beginnt der Arbeitstag um sechs Uhr morgens, oft noch weit fruher. Trotzdem wird abends bis in die Nacht hinein geprobt – und das praktisch jeden Tag. Armand Diangienda ist Dirigent, ausgebildeter Pilot und Grunder des Orchesters. Schon sein Grosvater gab ihm mit auf den Weg, dass er ein Orchester grunden solle. Heute stehen bei Konzerten des Orchestre Sym pho nique Kimbanguiste 200 Musikerinnen und Musiker auf der Buhne. Zum Unabhangigkeitstag der Demokratischen Re pu blik Kongo plant das Orchester ein groses Open-Air-Konzert. Mehrere tausend Zuschauer werden erwartet. Auf dem Programm: Beethovens Neunte, „Carmina Burana“, Werke von Dvořak und Verdi. Die Probenarbeit, das gemeinsame Musizie ren und schlieslich das Konzert des Orchesters zeigen die Kraft und Ent schlos senheit, mit der sich die kongolesische Zivilgesellschaft aus dem Teufelskreis aus kolonialer Unter druckung, Tyrannei, Armut und Krieg befreien will.
Quelle: Berlinale.de 2010