Ein Film von Klaus Voswinckel
2009
"Jörg Widmann ist gegenwärtig einer der aufregendsten und zu Recht am meisten beachteten jungen Komponisten in Deutschland. Schon früh hat er eine unverkennbare musikalische Welt für sich entdeckt, die immer neue Klangzonen, Atmosphären und Innenräume eröffnet. Man hat bei Widmann das Gefühl, der Entstehung von Musik selbst beizuwohnen: Sein Weg führt ins Innere des Klangs und der Instrumente hinein, und sicher hat das auch damit zu tun, dass er ein einzigartiger Klarinettist ist. In Personalunion von Komponist und Interpret wird ihm die Musik zu einem Bereich der Entdeckungen, und die Klarinette spielt dabei die Rolle eines "magischen" Mediums. Filmautor Klaus Voswinckel zeichnet ein Porträt des in München geborenen Komponisten, der inzwischen in Freiburg - mit 29 Jahren - eine Professur für Klarinette innehat. Er sucht ihn zu Hause auf, beobachtet ihn beim Unterricht mit einer Schülerin - beim Eintauchen in Robert Schumanns "Phantasiestücke" - und begleitet ihn zu Uraufführungen seiner eigenen Werke: den "Polyphonen Schatten", dirigiert von Heinz Holliger in Köln, und den "Monologen für zwei" auf der Opern-Biennale in München. Zusammen mit seiner Schwester Carolin übt Jörg Widmann ein - eigens für sie geschriebenes - irrwitzig virtuoses Geigenstück ein, und mit der Sängerin Salome Kammer probiert er Stimmwege und extremes Vibrato für eine geplante kommende Oper aus. Musik, das wird spürbar, ist hier bis ins Obsessive hinein Leidenschaft und Leben. Es gibt eine durchgehende, immer weitergeführte Licht-Dunkel-Thematik bei Jörg Widmann. Nicht nur, dass er vornehmlich in der Nacht komponiert, darin den radikalen Künstlern der Frühromantik verwandt, seine Kompositionen sind selbst auch Erforschung des Dunkels und der Helligkeit - eine musikalische Auseinandersetzung, die der Film auf seine Weise optisch aufgreift, reflektiert und mitverfolgt: vom frühen "Nachtstück" über das große Cellokonzert "Dunkle Saiten" - mit Jan Vogler und dem Münchener Kammerorchester - bis zu den "Lichtstudien". Wolfgang Rihm, der noch vor ein paar Jahren Widmanns Lehrer gewesen ist, und Siegfried Mauser, Pianist und Interpret seines Werks, orten jeder auf seine Weise den eigenwilligen, sehr persönlichen Weg des Komponisten, der ins Unerhörte aufbricht."
(Quelle: http://www.hr-online.de/website/fernsehen/sendungen/index.jsp)