Alice Sommer Herz. Alles ist ein Geschenk.

Foto: www.allegrofilms.com

Ein Film von Christopher Nupen

Hunderttausende Menschen auf der Welt denken an Alice Sommer Herz als eine Weise und Heilige.

Ihre Weisheit zeigt sich in fast allem, was sie sagt. In ihrer unvergleichlichen Toleranz und ihrem Mitgefühl liegt ihre Heiligkeit. Sie besitzt die Gabe, wahrhaftig vergeben zu können. Mit ihren 106 Jahren ist sie die zweitälteste Person Londons; sie lebt alleine in einer kleinen Wohnung und übt jeden Tag für zweieinhalb Stunden Klavier.

Sie wurde zusammen mit ihrem damals sechsjährigen Sohn zwei Jahre lang in einem Konzentrationslager der Nazis gefangengehalten. Schmerzhaft erinnert sie sich an den Alptraum, ihr Kind nicht ausreichend ernähren und seine Fragen nicht beantworten zu können. Sie erinnert sich auch daran, im Lager über 100 Konzerte gespielt zu haben und beschreibt diese Konzerterlebnisse für Musiker sowie Zuhörer als etwas beinahe Göttliches. Sie hat keinen Zweifel daran, dass die Musik ihren Verstand und ihr Leben gerettet hat – und das Leben hunderter anderer Menschen.

Diesem Thema widmet sie sich ausführlich in unserem neuen Film.

Sie hat Dinge erlitten, die kein Mensch sollte erleiden müssen, darunter die Ermordung ihrer Mutter und ihres Ehemanns durch die Nazis. Dennoch spricht sie über ihre Erlebnisse mit einer Schlichtheit und stillen Würde, die die Herzen aller Menschen gewinnt, mit denen sie in Kontakt kommt.

Sie selbst sagt über sich, dass sie niemals gehasst hat und dies auch nie tun wird, trotz allem, was ihr widerfahren ist, und trotz der prägenden Erfahrung, in Prag zwischen drei sich bekriegenden Kulturen – der tschechischen, der deutschen und der jüdischen – aufzuwachsen.

Noch nicht einmal die Nazis, die sie ins Konzentrationslager sperrten, hasst sie, denn sie ist eine tiefe Denkerin und weiß, dass Hass die Seele des Hassenden auffrisst und nicht die des Gehassten.

Mit 104 Jahren veröffentlichte sie ein Buch über ihr Leben und ihre Erlebnisse. Genauer gesagt umfasst dieses Buch, das von zwei Autoren in Hamburg zusammengestellt wurde, viele hunderte Gespräche mit ihr, die die beiden über einen Zeitraum von fast drei Jahren mit ihr führten.

Das Buch, A Garden of Eden in Hell (Ein Garten Eden inmitten der Hölle), wurde sehr schnell zum Bestseller und erfuhr seither Veröffentlichungen in sieben Sprachen.

Gigi Sommer ist auch die Heldin unseres vielfach prämierten Films We Want the Light, der im TV ausgestrahlt wurde und ihr Bewunderer in aller Welt einbrachte.

Ich hab keinen Zweifel daran, dass Gigi Sommer der Grund für all diese Auszeichnungen ist. Das ist keine falsche Bescheidenheit. Ich bestreite nicht das Talent und die harte Arbeit, die ich und meine Kollegen in die Entstehung des Films steckten, aber die innere Stärke, das Besondere, das den Film hervorhob, kam meines Erachtens eindeutig von unserem 98jährigen Star.

Wir haben eine 48minütige filmische Ehrung an sie zusammengestellt, die beinahe zu hundert Prozent aus bislang nicht im Fernsehen gezeigten Material besteht.

In unserem Film spricht sie stets in ihrer ruhigen und gewinnenden Weise, selbst wenn sie Schockierendes beschreibt. Und sie spielt Schubert, Smetana und Beethoven in einem Stil, den die Welt schon lange vergessen hat. Es ist der Stil Artur Schnabels, eines ihrer Lehrer: der Stil einer glücklicheren und selbstbewussteren Zeit in der Musik, den viele herzergreifend finden werden.

So ist der Film ein historisches Dokument, das sowohl sachlich als auch musikalisch Zeugnis ablegt.

Als im November 2009 ihr 106ter Geburtstag bevorstand, sagte sie zu mir: „Hohes Alter ist eine Krankheit. Ich bin nicht ich selbst. Der Körper kann nicht mehr standhalten wie in der Vergangenheit. Ich glaube, das sind meine letzten Tag, aber das macht nichts, denn ich hatte ein wunderbares Leben.

Diese Aussage, so typisch für Gigi Sommer und so tiefschürfend und ergreifend, veranlasste uns dazu, diesen neuen Film zu veröffentlichen, um ihren 106ten Geburtstag und ihr außergewöhnliches, wundervolles Leben zu feiern.

© Allegro Films 2009